Betriebsarzt Dr. Bieberbach & Kollegen GbR

Klingerplatz 5 / 1.OG    30655 Hannover

CORONAIMPFUNG durch den Betriebsarzt?

NACHTRAG vom 13.4. : Der Bundesgesundheitsminister erklärt, daß die Beteiligung von Betriebsärzten an den Impfungen erwünscht sei aber ERST dann, wenn so viel Impfstoff zur Verfügung steht, daß nicht mehr Priorisiert werden muss. Also irgendwann kurz vor St.Nimmerlein…

 

Die Personalstelle eines betreuten Unternehmens schreibt:

Hallo Dr. Bieberbach,

wie aus den Medien entnommen werden konnte, werden künftig auch Haus- und Betriebsärzte gegen das Coronavirus impfen können. Da momentan der Großteil unserer Mitarbeitenden im Home Office arbeitet, möchten wir anfragen ob eine Impfung zu gegebener Zeit in ihrer Praxis stattfinden könnte?

Viele Grüße N.N.
                                                  Meine Antwort:

Guten Tag!

Eine sehr häufig gestellte Frage, die ich gern beantworte! Das Problem ist zweischneidig:

Erstens: Gibt es Impfstoff ohne Priorisierung? Solange der Impfstoff nur Priorisiert verimpft werden kann könnten wir praktisch nur Arztpraxen / Zahnarztpraxen/ Physiotherapeuten impfen, da wir sonst immer mit einem Bein im Gefängnis stünden ( oder am Medienpranger). Dafür stünden wir mit dem ganzen Team zur Verfügung und haben das der Stadt, der Region, dem Sozialministerium , der Ärztekammer usw.  seit 2 Wochen wiederholt angeboten. Keine ANtwort, Nix, Nada.
Ob Team Onay diese Organisation jemals hinbekommt darf eher bezweifelt werden.

Selbstverständlich würden wir sofort alle anderen Betriebe ebenfalls impfen, aber nur wenn das Priorisierungsgebot fällt, es also in unserer Entscheidung steht, wen wir impfen. Sonst stehe ich im Betrieb und diskutiere nur rum.

Zudem würde dann die extreme Dokumentationspflicht entfallen, der Nachweis muss zur Zeit für jede Ampulle geführt werden, daß der Impfstoff an die richtige Adresse gekommen ist und keine wie es so schön heisst „Vordrängler“ genommen wurden. Das macht weder uns noch Ihnen Spass, denke ich. Und letzlich muss geklärt werden, wie wir die Sache organisieren. Die Hausärzte sind über die Kassenärztliche Vereinigung an ein Melde-und Honorarsystem angeschlossen, wir Betriebsärzte nicht. Bisher hat NIEMAND irgendeinen konkreten Vorschlag gemacht, wie das Ganze organisiert werden soll, es ist ja nicht damit getan, einem 1000 Fläschchen vor die Tür zu kippen. Politik ist toll im Ankündigen, die Verwaltung wartet wohl auf Ansagen, die nicht kommen, zumindest im Grossraum Hannover. Niemand fühlt sich zuständig, von allen Seiten Achselzucken. Wir Betriebsärzte stehen bereit und sind abgeschnitten von Allem. Übrigens: Selbst unser eigenes Personal können wir zur Zeit im Gegensatz zu den Kassenärzten nicht zur Impfung anmelden, es fehlt dafür schlicht eine zuständige Stelle / Telefonnummer/Faxnummer / emailadresse. Suchen Sie sich das Passende aus.

Zu diesem Thema schreibt die ZEIT im April 2021:

HARALD MARTENSTEIN
Über glückliche Ignoranten und einen Weg, das Impfdebakel zu beenden

Eine Eigenschaft, die ich nicht so gut finde, heißt Perfektionismus. Perfektionismus hat viel Unglück über die Menschheit gebracht. Man denke nur an all die klugen, schönen Menschen, die einsam das irdische Jammertal durchschreiten, weil es keinen perfekten Partner für sie zu geben scheint. Etwas, das es so selten gibt wie Perfektion, kann man eben nur selten finden. Aber es ist erwiesen und deckt sich mit meinen Erfahrungen, dass der Mensch auch an der Seite unperfekter Personen Schönes erleben kann. Er muss nur bereit sein, das Unperfekte seines Gegenübers zu ignorieren. Im Gegensatz zum Perfektionismus ist Ignoranz eine Eigenschaft, die das Leben leichter macht. Es ist immer wieder wunderbar, wenn man Misslichkeiten ignorieren kann und stattdessen das Positive sieht. Ich habe mal in einem Hotelzimmer geschlafen, wo nachts Ratten herumwuselten, aber das Frühstück war gut. Ich hatte eklige Hautkrankheiten und habe viel über Dermatologie gelernt dabei. Ich hatte mal einen Chef, der extrem bösartig und total inkompetent war, aber von Fußball verstand er was. Ich werde gedisst, gelabelt und gedeckelt – na und? Ich versuche, es zu ignorieren. Jetzt soll ich für die neue Wohnung Entscheidungen treffen, zum Beispiel: Welche Farbe soll an die Wand? Ich suche was aus, aber im Grunde kann ich mich mit fast jeder Farbe arrangieren, außer Gülle und Schweinchenrosa. Sollte mir eine Farbe nicht gefallen, schaue ich möglichst oft woandershin, bis ich mich eines Tages an sie gewöhnt habe. Manche sagen, dass unser Impfdebakel und unser Corona-Test-Debakel mit dem deutschen Perfektionismus zusammenhängen, oder dem Bürokratismus. Die beiden sind ja eng verwandt. Der Bürokrat und der Perfektionist wollen alles genau regeln, sie brauchen Kontrolle und Planung. Ignoranten sind nur am Ergebnis interessiert. Probleme werden ignoriert. Ein Ignorant hätte zu seinem Team gesagt: »Schafft dieses Impfserum her, egal, was es kostet, egal welches, egal, was die EU sagt, bloß her damit. Dann haut das Zeug jedem in den Arm, der nicht gleich protestiert und wegläuft. Impft, bis die Spritze qualmt, meinetwegen im Bahnhofsklo. Tierärzte, Zahnärzte, Rettungssanitäter, alle sollen ran, auch die Homöopathen. Ähnliches wird mit Ähnlichem behandelt, darum geht’s doch beim Impfen. Was ist eigentlich mit den Ex-Junkies? Die können auch gut mit Spritzen umgehen. Zur Not kriegen die vorher einen Doktortitel aus Kasachstan. In drei Monaten sollen alle geimpft sein. Wie wir das geschafft haben, interessiert hinterher keinen.« Totale Ignoranz. Die Schwester der Ignoranz heißt übrigens Pragmatismus. Wenn Ignoranten und Pragmatiker gegen Perfektionisten und Bürokraten antreten, ist klar, wer gewinnt. Der Chef eines Unternehmerverbandes, Anton Börner, hat darüber geklagt, dass die Regierung sich in der Krise von Virologen beraten lässt, aber nicht auch von Managern. Ich kann das kaum glauben. Ihr managt die Mutter aller Krisen ohne Manager? Jetzt verstehe ich endlich, warum es suboptimal läuft. Ich denke mal, dass eine Anwaltskanzlei ohne einen einzigen Juristen auch mit Akzeptanzproblemen in der Bevölkerung zu kämpfen hätte. Börner sagt, den Managern begegne Misstrauen, »weil sie Geld verdienen wollen«. Wollen die Ministernden (gerechte Sprache!) das etwa nicht? Wenn jemand einen guten Job macht, ist es mir egal, wenn er damit viel Geld verdient; nur bei Leuten, die ständig Mist bauen, stört das. Aber sogar das stört mich nur wenig. Ich bin Ignorant.

Praxiszeitung

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Neues zu Corona 21.02.2021 -

lesen Sie hier Beobachtungen zu den veröffentlichten Zahlen ( DATEN VOM 23.3.2020) und vorweg Aktuelles und Wissenswertes

ADIEU ( Text vom März 2020) 19.05.2020 -

Nach 32 Jahren verabschiede ich mich zum 1.4. aus der ALLGEMEINMEDIZIN um künftig ausschliesslich als Arbeits- und Verkehrsmediziner zu arbeiten.

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