Betriebsarzt Dr. Bieberbach & Kollegen GbR

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Le tour de France 2008 – Paneuropa Radweg Paris Strasbourg

Was das hier? Sie lesen im Grunde eine Mischung aus Tagebuch fuer die eigene Erinnerung und einen Reisebericht, der andere Radler interessieren koennte. In diesem Fruehjahr ist der europaeische PANEUROPA RADWEG PARIS-STRASSBURG-PRAG feierlich eroeffnet worden und wir wollten ihn gleich fahren. Zumindest zwischen Strassburg und Paris. Leider stellt sich heraus, dass der franzoesische Teil noch nicht fertig ist, somit eroeffnen wir hiermit die Suche nach der richtigen Streckenfuehrung, denn Karten gibt es auch noch nicht…

PrologueDer Turm bei Nacht

Ich lege Wert auf die Feststellung, daß es Pias Idee war, diese Reise zu unternehmen. Das war im April. Ich selbst war sofort Feuer und Flamme, hatte allerdings nicht mit den ganzen Problemen gerechnet, die wir schon haben, bevor es losgeht. Der Radfernweg Paris-Prag ist mit Allem drum und dran wie ich höre von Straßburg nach Prag perfekt fertig, UNSER Abschnitt (Strassburg-Paris) aber befindet sich nur in der Planung. Man braucht eben etwas länger in unserem befreundeten Nachbarland..

Die Reise ( im Wesentlichen entlang dem Rhein-Marne Kanal zur Marne und dann etwa ab Bar-le-duc die Marne hoch durch die Champagne bis Paris) geht zumindest nach den ersten 60 km durch Fahrradtechnisch weitgehend unerschlossendes Gebiet: Keine markierten Radwanderwege, es gibt nicht mal vernünftige Karten- und das im Land der Radfahrer! Die beste Karte ist 1:100.000 – versuchen Sie mal, danach den Weg zu finden! Bieher sind wir durch Bikeline und Esterbauer Radkarten verwöhnt, die weisen einem jede Wegkreuzung. So was gibt es in Frankreich gar nicht! Also in Google Maps gewildert und einige Ausdrucke von besonders schwierig zu findenden Stellen gemacht- eine erhebliche Arbeit. Mal sehen ob es sich gelohnt hat…

Und dann noch pünktlich zwei Tage vor unserer Abreise schwere Unwetter auch in Nordelsaß, wo die Reise losgeht. Da hilft nur beten. Gestern hat mir mein (elsässischer) Freund Rafael noch schnell einige lebensnotwendige Redewendungen von Deutsch ins Französische übersetzt- wetten, daß ich genau ganz andere Sätze brauche, wenn ich erst mal da bin? Mein Schulfranzösisch ist rund 37 Jahre alt und seither nicht besser geworden, gottseidank hat Pia ja auch was gelernt.

SONNTAG 27.7.

Heute ist großer Packtag, die Räder sind sündteuer generalüberholt, alles ist bereitgelegt und sicher werden wir wie immer das Wichtigste vergessen.

MONTAG 28.7. Hannover/Strassbourg , geradelt: 12km

Die Radtour ist heute auf eine Minimalvariante beschränkt: 5 km von zu Hause zum Bahnhof, ICE nach Karlsruhe, dann TGV nach Straßburg und dort 700m bis zum Hotel-Wir sind zuversichtlich, zumindest die erste Etappe zu bewältigen!

9 Uhr im IC nach Karlsruhe. Ich mache mein Handy an und schon klingelt es 4 mal als Zeichen, dass ich 4 SMS bekommen habe. Thomas wuenscht alles Gute, Sven schwaermt vom Sonnenuntergang in Sizilien und Peter weiss nicht, was ein Blog ist. Und Raphael hat versucht, mich anzurufen.
Pia fragt, warum mir so viele schreiben Ich antworte triumphierend: „weil ich Freunde habe“! – Pia darauf trocken: „Ich auch, aber meine schlafen jetzt alle noch!“

Von Karlsruhe im TGV nach Strassburg, gutes Hotel de France im Zentrum gefunden, Flammekuche gegessen, am Strand des Rheins einen (alkoholfreien) Cocktail im Liegestuhl getrunken und dann noch die abendliche Illumination des Muensters von Strassburg genossen. ES KANN LOSGEHN!

DIENSTAG 1. Etappe 88 km Strasbourg -Sarrebourg
Es sind 30 Grad aber trocken angesagt, wenig Wind. Besser als nix!

Im Gegensatz zur depressiven Vorhersage meiner lieben Gattin blieb es den ganzen Tag sonig warm und trocken. Der Weg fuehrte zunaechst zum europaeischen Parlament. Dann 47 km immer auf excellenten Radwegen am Rhein-Marne Kanal entlang bis nach Saverne. Wer hier mal fahren will, braucht jedenfalls keine Radwanderkarte bis nach Saverne, sollte aber Proviant mitnehmen, da es unterwegs keine Einkaufsmoeglichkeiten gibt. Dort gibt es alles : Restaurants, Baeckereien, Obstlaeden. Wir entschieden uns fuer -preiswert und gut – den Tagesteller im Cafe Haushalter. Lachs nach Grossmutters Art mit Linsensalat und Reis. Gekroehnt von echtem Segafredo Espresso.

Das Gelaendebild aenderte sich jetzt schlagartig: vorher flache Auen, jetzt ein gewundenes , enges Tal mit steil aufragenden Bergen.

Wer die Tour nachfahren will; wenn es nicht weiter geht links den steilen Huegel hinuf auf die Bruecke. ueber diese fuehrt die Strasse nach Henriedorff. Der ca.500 m folgen, nicht links ab nach Arzviller, und man findet den gar nicht beschilderten Beginn eins traumhaften , verwunschenen Radwegs entlang des alten Kanals und mittendrin sogar eine Wirtschaft. Diesen Weg haetten wir nie gefunden, wenn wir nicht genau auf der Abzweigung einen sehr netten Jungrentner getroffen haetten, der vor 40 Jahren aus -man glaubt es kaum- Niedersachsen ins Elsass umgezogen war und eine kleine Radtour machen wollte. Ein Segen! Denn er begleitete uns den restlichen Weg ueber Niederviller, Schneckebusch bis Hesse,wo er uns den Einstieg in einen ebenfalls nagelneuen und in keiner Karte verzeichneten Radweg bis in unsere Hotel (les Cedres) in Imlimg bei Sarrebourg zeigte. Das Hotel stammt aus den 70 er Jahren und hatte genau wie das ueberforderte Personal schon seine beste Zeit hinter sich. Aber das Essen war ziemlich lecker. Ein Doppelzimmer mit Halbpension fuer 2 fuer 100 Euro ist in dieser Gegend relativ billig.

MITTWOCH 2.Etappe Sarrebourg-Nancy 95 km

Eine Hoellentour! Wir haben die Vogesen gesten recht problemlos ueberwunden , um heute auf den ersten 20 km ueber Xouaxange , Lorquin, Gondrexange einen steilen Huegel nach dem anderem fahren zu muessen, was unsere Koerner schon in der 1. Stunde stark dezimierte. Gut dass wir in Gondrexange in einem kleinem Laden Getraenke und Proviant (einschliesslich einer Nothilfe der frz. Variante von red Bull (fuer alle Faelle, weis mersch denne?) fassen konnten. Es sollte die einzige Moeglichkeit auf den ersten 40 km sein. So konnten wir in Moussey in Begleitung von kleinen Kaetzchen unser gekauftes Baguette und den Camenbert zu uns nehmen. Doch nicht nur die ersten 20 km waren sehr huegelig, wir waren den ganzen Tag damit beschaeftigt, uns lang und laenger werdende Anstiege zu kaempfen. In Lagarde (ca. km 45) erreicheten wir dann wieder den Kanal , fanden einen kleinen Laden fuer ein Eis zwischendurch-es sollte der letzte gefundene Laden bis Dombasle bleiben , also auf den naechsten 40 km !

Wir wurden davor gewarnt, in Frankreich auf Autostrassen zu radeln , auf dieser Route gibt es dazu leider gar keine Alternative. Das ist umso bedauerlicher, als wir mindestens 40 km immer wieder sehen konnten, das auf der linken Kanalseite eine ca.3 m breite Trasse existiert, bei der nur das vorhandene Gras durch eine feste Fahrdecke ersetzt werden muesste. In disesem Bereich ist aber der Hund verfroren und entsprehend wenig Autos sind uns begegnet und waren immer ruecksichtsvoll.

Ab Varangeville kommt man auf dem Weg nach Nancy nur ueber die D 400 weiter, die ca 15 km durch haessliches Industriegebiet fuehrt. In Nancy selbst gibt es ab Jarville rechts des Kanals einen ausgezeichneten Radweg bis nach Frouad, wo wir morgen dann Anschluss an den Moselradweg ueber Toul nach Commercy haben werden.

Place Stanislass

Das Accor Suitehotel Nancy liegt zentral direkt an diesem Radweg und ist eine excellente Empfehlung. nur wenige 100m vom Hotel entfernt ist der Stanislas Platz.Place StanislasPlace Stanislas
Place Stanisla
Den muss man gesehen haben: Ein herrliches Rokkokoemsemble das entfernt an dern Zwinger in Dresden erinnert mit grossem Platz auf dem sich Abends bei fast schon kitschig schoener llumination die Haute volaute zeigt und in den zahlreichen Brasserien, Bars und Restaurants speist und trinkt. So auch wir.
Uebrigens: Es ist noch immer sehr schwuel, sehr warm aber es hat noch immer nicht geregnet.

DONNERSTAG 3.Etappe, 79 km Nancy / Commercy

Ein Tag der Erfolge.Er begann mit dem Missgeschick, dass beim Herausnehmen des Fahrrads aus dem kleinen Abstellraum das Kabel meines Tachos abriss. Ganz in der Naehe fand sich ein grosses Fahrradspezialgeschaeft mit lauter Fachleuten die sich staunend um mein Rad versammelten und zunaechst die Kombination einer 9-Gang Shimano Nabenschaltung mit einer drei Blatt Kettenschaltung vorne bestaunten und feststellten , sowas gaebe es hier bei ihnen nicht. Ob ich aus Belgien oder Holland kaeme? (Putzige Frage, da ich an diesem Tag das Trikot unsere Fussballnationalmannschaft trug). Grosses Erstaunen ueber les Allemands -wo doch Shimano aus Japan kommt.

Es ging eine kurze Strecke am Kanal und eine noch laengere ueber die Haupstrasse bis zur Moselbruecke nach Pompey, von dort die kaum befahrene D 191 an der Mosel entlang ueber Liverdun bis Villoy St. Etienne. ( Achtung im Ort Bistrot und Baeckerladen) Ein Kilometer hinter Villoy geht rechts ein unbefestigter Radweg ab , den man unbedingt nehmen sollte, der nach 2 km wieder auf die D191 muendet. Auf dieser erreichen wir ,von Autoverkehr fast unbehelligt, die sehenswerte Altstadt von Toul. Durch die Altstadt hindurch und dann die Rue Victor Hugo hoch. Am Yachthafen vorbei erreichen wir den Kanal an dessen linken Ufer ein guter asphaltierter Radweg bis Foug fuehrt. Dort verschwindet der Kanal im Berg und der Radler weiss nicht, wohin.
Wir nahmen den Feldweg nach links unter der Autobahn durch ca. 2km bis zum Waldrand; nach 400 m rechts nach weiteren 150 m links und dann immer den Weg lang erreichten wir ohne grosse Steigung einen schon weithin sichtbaren Tunnel unter der Autobahn zurueck zur Strassa zwischen Lay St. Remy und Pagny an der Meuse. Dann auf ruhigen Asphaltstrasse ueber Troussey, Sourcy und Issey und dann ueber einen abenteuerlichen Feldweg direkt an der Eisenbahn entlang, fast direkt in unsere Hotel.

Commercy ist im wesentlichen fleischgewordener Truppenuebungsplatz, das Hotel de la Madeleine ist ausreichend mit 2 Sternen dekoriert, war wohl auch angesichts der gegenueber liegenden Kaserne und der eigenartigen Austattung mit Safeartigen Tueren und schiessschartengrossen Fenstern ehedem als Puff konzipiert.
Diese ursprungliche Konzeption ist dann wohl dem generellen Truppenabbau zum Opfer gefallen. Wir wurden jedefalls nicht belaestigt (abgesehen davon das Abends zwei aeltliche haessliche Hollaenderinnen das Gruessen vergassen) . Im Gegensatz zur Moeblierung war das mit 12,50 Euro dotierte Drei-Gang-Menu ausgezeichnet. Grosses Vorspeise Buffet gab eine Grundlage , als Hauptgericht frisches Fischfilet mit Mandelsplittern und Tagliatelle-lecker!Hinterher war Brie ein muss denn der kommt ja aus dieser Gegend.

Gesundheitlich war ich gestern Nachmittag und in der Nacht von Kraempfen geschuettelt worden, die wohl von dem grossen Salzverlust ausgeloest waren, den die schwuele Hitze verursachte. Ich musste gestern schon vor Nancy eine Pause einlegen, um in einem Bistrot einen Liter alkoholfreis Bier und einen Salzstreuer zu ordern (was zwar Nachfrage: sel?-SEL! aber kein Problem ausloeste). Heute frueh gab mir dann die nette Kellnerin im Suitehotel eine Handvoll kleine Briefchen mit je ca. 2g Salz darin von denen ich immer eins in meine Trinkflasche gab, wenn ich Wasser nachfuellte. Und siehe da: Problem beseitigt.

FREITAG 1.8.2008 Commercy/Bar le Duc 45 km

Urspruenglich war diese Etappe viel laenger geplant, ueber Void Vacon, Mauvages und Ligny en barrois ca 100 km, wegen der dort bekannt schlechten Infrastruktur aber dann entschieden, die „Direttissima“ ueber das Mittelgebirge zu nehmen, die nur ca 40 km lang ist (wers nachfahren will: ueber Chonville/Willeroncourt nach Tronville).
Gleich nach Commercy geht es steil in den Berg, ca 5km Anstieg ueber 250 Hoehenmeter bis zu 11 o/o Steigung. Auch Pia musste etwas schieben. Das Ganze wurde belohnt durch die steile Abfahrt nach Chonville, auf der wir auch mit Bremsen noch 52 km/h erreichten.

Keine Verschnaufpause, denn der Schotterweg nach Domremy aux bois verwoehnte uns mit einem 4,5 km langen, immer steiler werdenden Anstieg durch den Wald, der durch die maessige Fahrbahn noch schwerer wurde.

Nach Nancois-le-grand ( Nomen est omen, das Dorf besteht aus 4 Hausern, wie gross ist dann bitte Nancois-le-petit?) war dann ein vergleichsweise kleiner Huegel mit ausreichend guter Fahrbahn zu bewaeltigen, im Dorf fand sich eine Bank im Schatten eines Kirschbaums, wo wir unsere in Commercy erstandenen Madeleines (ueberfluessiges Gebaeck das dort erfunden wurde) und Quiches verzehrten.

Weiter Richtung Tronville findet sich tatsaechlich im naechsten Dorf an der Kirche (Nancois sur Ornain) ein Kraemerladen in dem es Alles vom Brot bis zur Kittelschuerze und sogar ein Klo gibt. Weiter auf der D120 bis diese auf die Durchgangsstrasse D966 nach Longeville fuehrt, auf dieser nuss man aber nur 500m fahren, um danach im Ort nach links Richtung Savonniere abzubiegen. Diese Strasse fuehrt zum Kanal und man glaubt es kaum dort war ein noch warmer nagelneuer Asphaltradweg der direkt nach Bar le Duc fuehrt! Und am Ende des Weges rechts hoch und schon ist man am Hotel:

Das Hotel hatten wir uebers Internet: Hotel Bertand, ein Stern. Als wir davor standen wollten wir schon umkehren, aber die Zimmer waren bezahlt. Innen unten alles Originalzustand 1951 aber die Zimmer tip topp frisch, modernisiert und die Leute reizend- fuer 45 Euro das DZ, ein SCHNAEPPCHEN! (und dann durfte ich auch noch – bien sûre Monsieur- den PC im Buero benutzen, um das hier zu schreiben. Zweite Ueberraschung am ABend: Sie hatten nach hinten heraus eine richtige Gaststube mit gedeckten Tischen, es wurde ein 3 Gang Menue fuer 10 Euro angeboten, was ganz ausgezeichnete frz. Kueche a la Grand Mère bot und dazu einen bekoemmlichen Rosé fuer 1 (EIN) Euro je Viertel.

An dieser Stelle muss es mal gesagt werden: Wir hatten es auf der ganzen Reise bislang nur mit ausnehmend freundlichen Menschen zu tun, von denen sehr viele auch noch Deutsch sprachen. Auch Wildfremde, denen man begegnet winken Dir zu , erwiedern das „bon jour“ sofort und mit Laecheln und Winken. An besten war ein in Nancy am Strassenrand auf einnem Stuhl doesender Opa, der als er uns sah, Applaudierend aufsprang und Bravo rief bis wir ausser Sicht waren. Sowas erlebt man in Deutschland selten. VIVE LA FRANCE!

SAMSTAG 2.8. 2008 Bar-le-Duc / La Chaussee sur Marne, 69 km

WETTER: frischer Morgen aber sonnig. Die FAZ schreibt : Die internationale Sportjournaillie erwartet Flachetappe mit Sprintankunft.

Bisher der mit Abstand leichteste Tag, praktisch alles flach fast bis zum naechsten Hotel. Haette man das ahnen koennen, waeren wir sicher mindestens bis Chalons en Champagne weitergefahren: Aber Hotels sind gebucht…

Fuer Radler: Ab Bar le Duc gibt es entlang des Kanals auf wechselnden Seiten zwar, aber immer selbsterklaerend einen durchgehenden Radweg fast bis Vitry le Francois. Belag fast immer Asphalt, gelegentlich frisch, manchmal holprig, aber immer gut zu fahren. Gleich im ersten Ort hinter Bar le Duc (Fains les Sources) gibt es direkt an der Kanalbruecke Supermarkt, Baecker und Schlachter. Danach keine Einkaufsmoeglichkeit bis Vitry.

Normalerweise ereuebrigt sich ein Besuch in Vitry le Francois, ausser man will Rast am netten Platz bei der grossen Kirche machen, wo es leckerste Patisserie gibt. In diesm Fall endet der Radweg vor Vitry ploetzlich in Sichtweite der Ueberfuehrung der grossen Duerchgangsstrasse (N44) ueber den Kanal. Wer hier rechts abbiegt, kommt direkt nach Vitry le Barrois und kann dort weiter am Kanal fahren, wobei bei erster Gelegenheit der Wechsel auf die oestliche Seite zu empfehlen ist, wo sich wieder fast durchgehend ( spaeter gesehen bis Chalons en Champagne) ein sehr gut asphaltierter Weg am Kanal, also zwischen Kanal und Marnefluss, befindet.

Wir fuhren links durch die Walachei und kaempften uns erst zu besagter Patisserie und spaeter zurueck auf den Kanal durch, was recht muehsam war und auch das Überheben der Raeder ueber ueberfluessige Absperrungen bedeutete.

Jedenfalls folgten wir dem Treidelpfad bis zur Bruecke bei la-Chausse-sur-Marne und erreichten nach kurzem Anstieg unser ** Hotel Le Clos de Matigny. Sehr nobel, gehobene Kueche, das 3Gang Menue zu 23 Euro war den Preis wert. Es gibt auch noch ein * Hotel im Ort , DZ 40 Euro, von aussen SEHR schlicht. Der Tag haette so schoen ausklingen koennen, waere nicht kurz nach uns eine Horde von ca. 30 lauten Hollaendischen Rentnern in das Hotel eingefallen… Ich habe mich sofort entschlossen, dem beim Fruehstueck das Fussballnationaltrikot entgegen zu setzen.

SONNTAG, 3.8.2008 La Chaussee sur Marne/Epernay 65 km.paris1.jpg

Dieser Tag ist ein sehr gutes Beispiel, wie man aus einer einfachen Flachetappe Mist machen kann. Also: Es ging gut los, Temperatur frisch, wolkig mit Aufheiterungen, vom angesagten Regen wieder keine Spur.

Fuer den, der nachfahren will das Wichtigste zuerst: Es gibt fast durchgehend einen asphaltierten Treidelweg in Richtung Paris auf der linken Kanalseite. Wir fuhren diesen bis St.Germain de Ville, hatten dann den Kanal satt und fuhren rechts auf die D60 bis Sarry. Diese Strasse ist fast Autoleer, da in wenigen 100 m Entfernung noerdlich die vielbefahrene N44 parallel verlauft. Und so sieht man mal was anderes… In Sarry wieder ueber die Bruecke auf das andere Kanalufer, um so auf dem Treidelpfad problemlos bis in die Altstadt von Chalons zu kommen. An einer putzigen gruenblauen halbkreisfoermigen Fussgaengerbruecke den Kanal queren und nach einem Park ist man in der sehenswerten Altstadt, wo wir unsere Mittagspause gegenueber dem Hotel de Ville beim Elsaesser machten. Lecker und Preiswert.

Fuer den, der diese Tour nachfahren will, mag es von Interesse sein, dass praktisch auf der ganzen langen Strecke von Vitry bis Epernay links, also westlich, vom Treidelweg hohe alte Baeume stehen was im Hochsommer bedeutet, dass man ab ca Mittag Schatten hat. Sehr angenehm!

Zurueck zum Kanal, dem wir bis Tours sur Marne auf guten Treidelpfad entlang des Kanals folgten, erst Asphalt, dann feste Naturdecke aber sehr glatt und gut zu fahren. Eine Eingebung, wie sie daemlicher nicht haette sein koennen, veranlasste mich, in Tours s/M abzubiegen und eine sog. Abkuerzung durch Feldwege nach Epernay zu nehmen. Wir wuehlten uns eine Stunde ueber ca. 10 km durch Schlamm und kaum mehr als Weg kenntliche Trampelpfade Richtung Epernay, kamen dann kurz vor Choulli wieder auf Asphalt und mussten einige km in inzwischen stroemenden Nieselregen bei Gegensturm berghoch auf der Hauptstrasse nach Epernay fahren. Sie geht direkt ueber in die Avenue de Champagne, eine Prachtstrasse mit einem Schloesschen der Champagnerhersteller nach dem anderen.
Das brauchbare Best Western Hotel de Champagne fanden wir schnell am Ende dieses Boulevard des reichtums. Es war allerdings ein Wunder dass wir so iwe wir aussahen ( Typ begossene und verdreckte Pudel) ueberhaupt reingelassen hat. Wir baten als Erstes umeinenn Eimer Wasser und einen Feudel, um den groebsten Dreck von den Raedern zu waschen. Den 2 cm hohen klebrigen Lehm auf den Felgen hatten wir zuvor schon mit dem Taschenmesser abgekratzt. NIE Wieder franzoesische Feldwege!
N.B.: Wer frueh genug aufsteht und den Umweg ueber Vitry le Francois weglaesst, kann die Etappen Bar-le-Duc/ Epernay mit dann 115 km locker an einem Tag einplanen.

MONTAG 4.8. Epernay/Chateau Thierry 62 km

Wir beabsichtigen, direkt in Boursault bei der alten Wwe. Klickot Ponsardin auf ein Glaeschen Schampus vorbeizuschauen. Nachts giesst es in Stroemen, auch am Morgen noch keine durchgreifende Wetterbesserung. Ich lasse Pia etwas laenger schlafen.

Le ROAD MAP:
In Epernay liegt das Best Western Hotel de France auf der fuer uns richtigen Talseite, direkt an der Altstadt und all den Palaesten der Champagnerbarone, nebenan ist Mumm. Es liegt aber auch am idealen Einstieg in unsere heutige Etappe, die in der Rue de la Chaude Ruelle beginnt , welche dann in den Chemin de la Chaude Ruelle uebergeht. Wir halten uns immer oben unterhalb des Waldrandes und koennen so einigermassen auf gleichbleibende Hoehe auf der Weinstrasse (rue des vignes) nach Vauciennes, dann auf der Rue de Boursault nach Boursault un der Rue de la croix St Jean nach Mouvoisin und Oeully kommen, wo wir die Strasse nach Port a Bison / Mareuil le Port nehmen, dort an der Marne entlang bis Try, ueber die Bruecke auf das andere Ufer von Vincelles aus ca 20 km bis Mont St Pere auf Strasse. Dort rechts (Rue du val>Chemin des carres) oberhalb und parallel der D3 durch die Weinberge bis Brasles.

LA REALITé:
Due Rue de la Cruella oder wie das Ding heisst ist nicht befahrbar, jedenfalls fuer meine Gewichtsklasse nur beschiebbar. Auf gefuehlt 600m Seehoehe angekommen hatte ich weder Luft noch eine trockene Faser am Koerper. Die rue de vignes ueberraschte uns gleich mit einem Sackgasse-Schild, aber wir kennen ja unsere Franzosen inzwischen auswendig und ignorieren fast alle Verkehrszeichen ausser „chiens furieuses – pas de entrer“ oder so aehnlich. Weitere 100 Hoehenmeter weiter kamen wir an das Ende der Sackgasse, das sich als haushohes Eisentor mit Schild „chiens furieuses – pas de entrer“ darstellte. Kein Weiterkommen. Also unter Verlust der Haelfte der erreichten Hoehe zurueck zur letzten Kreuzung und zweimal links abgebogen, um parallel zum geplanten Weg weiterzukommen.

In der Champagne
Hatte ich gestern geschrieben NIE MEHR FRANZOESICHE FELDWEGE? Ich hielt es mit Konrad Adenauer(1949) : Was schert mich mein dummes Geschwaetz von gestern? und veranlasste meine Begleiterin, mir auf den vom frischen naechtlichen Landregen aufgeweichten Feldweg zu folgen.
Haette ich es doch mit Konrad Adenauer (Bundestagswahl 1951) gehalten: „KEINE EXPERIMENTE!“

Nach 15 Minuten Morast-glitschen sahen wir beide aus, als haetten wir die seelige Veuve Cliquot mit blossen Haenden aus Ihrem Jahrhunderte alten Grab gebuddelt. Pias Vorderrad blockierte, weil der Morast so dick auf dem Vorderreifen klebte, dass sie ihr vorderes Schutzblech abmachen musste, um weiterzukommen.

Kurz: unter Verlust der GESAMTEN erklommenen Hoehe fuhren wir auf der ersten Asphaltstrasse, die wir erreichten, fast zum Ausgangspunkt zurueck nach Mareuil, dort mussten wir die vielbefahrene Durchgangsstrasse bis Vauciennes nehmen, um dann Richtung Marne und Damery abzubiegen. Die D3 ist uns zu gefährlich gewesen. Hoffnung war, wieder einen befahrbaren Treidelweg zu finden, den es aber hier eindeutig nicht gibt. Das fanden wir spätestens hinter Venteuil heraus, nachdem wir uns eine halbe Stunde durch kniehohes Gras am Kanal entlang gekämpft hatten nur um festzustellen, dass der Weg nun wirklich zu Ende ist und wir 200 Hoehenmeter- diesmal in der Sonne am anderen Talufer- hinauf mussten, um wieder befahrbaren Untergrund zu finden.

Wir waren jetzt in Reuil, seit 3 Stunden unterwegs, dreckig, fertig mit der Welt und genau 15 km Luftlinie vom Hotel entfernt. Erst mal Picknick (Gottseidank hatten wir uns in Epernay ein Baguette gekauft und etwas Wasser mit) und dann die Entscheidung, jetzt nur noch auf Strassen weiterzufahren. Im Grunde kein Problem, denn die Durchgangsstrasse auf der Suedlichen Seite der Marne nimmt allen Durchgangsverkehr auf, sodass wir auf der noerdlichen Talseite ueber Verneuil, Passy, Mont St Pere, Brasles letzlich eine Strecke mit vielen Steigungen aber mindestens auch genausovielen Gefaellestrecken fanden, die man gut befahren kann. ( Merke: Netto fährt man seit Bar-le-Duc bergab bis Paris) . Und als uns alle Getränke ausgegangen waren, fanden wir im schönen Vincelles tatsächlich eine BAR, die auch noch OFFEN hatte! Das Wunder an der Marne- es existiert!
Wir kauften sämtliche Vorraete an gekühlten Getränken auf ( Eine Dose alkoholarmes Lightbier, 2x 250ml Tonic Wasser (kann man tatsächlich mischen, schmeckt bei Hitze gar nicht schlecht) für mich, ein grosses Glas Sirop de Menthe Aqueuse oder so für Pia („Probier doch mal-schmeckt wie Kaugummi!! “ – „Willst Du mich vergiften?“) und 3 Liter Wasser.

Das Ibis Hotel Chateau Thierry ist -wie der Name schon sagt – in Essomes- sur-Marne und zwar direkt an unserer Strasse, bietet fuer kleines Geld gute Zimmer, nette Bedienung, gutes Essen und den besten Internetanschluss dieser Reise (was man hoffentlich am heutigen Text merkt) und bekommt somit gleichauf mit dem Hotel Bertrand in Bar-le Duc unser Prädikat „Bestes Preis/Leistungs Verhaeltnis“..

Und dann trafen wir noch ein englisches Paar, er um die 60, mit Banjo, mit denen wir uns erst nett unterhielten um den Abend mit einem Bluegrass-Privatkonzert am Ufer der Marne mit einem Glas Vin Rouge ausklingen zu lassen…

Im Übrigen liegt unser Grüß-O-Meter jetzt bei 834 x Bon Jour 34x Bon Soir , 18x Ola (ich war am ersten Tag sehr zum Missfallen meiner Tochter mit den romanischen Sprachen etwas durcheinandergekommen) und nunmehr 34 x ALLEZ! (nachdem wir festgestellt haben, dass sich Radfahrer im Trikot hier mit Anfeuerung statt Hoeflichkeit begegnen). ALLE Grüße wurden jeweils vom Rezipienten erwiedert, in aller Regel sehr freundlich bis enthusiastisch.

DIENSTAG 5.8. Essomes-sur-Marne/Meaux ca. 55 km

Super Wetter, Paris, HERE WE COME!
SONNE, aber im Gegensatz zu Eckards Prognose im Marnetal immer noch deutlicher Gegenwind. Wir fuhren die D 969 ueber Azy nach Charly, wo es am Kreisel zwei grosse Supermaerkte gibt. Sehr schoen, fuer 6 Euro gab ein luxurioeses Mittags Pick Nic bei Netto: Baguette, Camembert, Serranoschinken,Tomaten, Cola. Ab Merzy s/M heisst dieselbe Strasse dann D 402 und führt mit langen aber flachen Steigungen nach La Ferte sous Jouarre. Man hätte auch in der grossen Maeneschleife rechts nach Champigny abbiegen koennen und am anderen Marneufer weiterzufahren, aber wir wollten die Ortsdurchfahrt. Gut, denn sonst wären wir an den Cafés vorbeigefahren und hätten in die Röhre geschaut. Über Ussy weiter nach St Jean les deux Jumeaux was wohl soviel heisst wie Johannes mit den zwei Kopfkissen oder ?

Jedenfalls erwartet den Radler in diesem Ort Richtung La Noue die letzte grosse Bergwertung auf dem langen Weg nach Paris. Bis Montceux steigt der Weg tw steil an; belohnt dann aber mit einer gleichmässig schönen Abfahrt über 8 (!) km über Fubleaumes nach Nanteux les Meaux.  Kurz für etwa 3 km links auf die Landstrasse bis rechts ein gut fahrbarer Feldweg am Marneufer entlang fast bis zum Hotel fuehrt.

Trotz schlechter Internetkritiken hatten wir uns fuer das ** Hotel Le Richemont entschieden, das günstig direkt am Marneufer liegt. Günstig insofern, als man jeden Zug nach Paris deutlich hört, ebenso den gesamten Durchgangsverkehr über die nebenliegende Marnebrücke. Ansonsten hat das Hotel den verblichenen Charme der frühen 70er in Reinkultur zu bieten, selbst die Teppichböden sind noch Erstaussattung.
Aber nebenan gibt es einen ChnesioJapaner , der Abends ein üppiges und leckeres All you can eat Buffet mit Chinesischem und etwas Sushi fuer 13 Euro anbietet, durchaus nett, denn er hat auch am Marneufer eine Aussenbewirtschaftung.

MITTWOCH 6.8. Meaux/ Paris- Eiffelturm und zurueck zum Hotel 65 km

Windstille, Trockenheit und 33 Grad waren angesagt und so wars auch. Eine sehr schöne Tour zunächst am idyllischen alten Canal lateral de l’Ourcq bis Villenoy, dort über die ZWEITE Brücke rüber und geradeaus ueber einen kurzen Autobahnzubringer auf den asphaltierten Feldweg nach Vignely, dann weiter nach Tribordou. Ab hier geht links des Kanals durchweg ein tw gerade in Neugestaltung befindlicher Treidelweg bis Paris Gare de l´est . ( Man muss auf diesen ca 32 km zweimal die Seite Wechseln das ist aber selbsterklaerend). Ab Claye Soually ist dieser Weg asphaltiert und wirklich sehr schön.

Ab Paris Gare de l’est stürzten wir uns lebensmüde in den Stadtverkehr, wobei den Velos die Busspur gehört, was einen schneller als die Autos macht. So erreichten wir unser Hotel Novotel Les Halles, ideal mitten im Leben gelegen, mit Carmen vor der Tür und einem Eisladen gegenüber.
Unschwer zu erraten, das wir uns zunaechst den diversen Eissorten widmeten. Anschliessend wurde für Carmen ein Fahrrad gemietet und es ging zum zwingend erforderlichen Abschlussphoto zum 5 km entfernten Eiffelturm.paris3.JPG

EPILOG

Wir haben in 8 Tagen 639 laufende km Frankreich kennen und lieben gelernt. Nette Menschen (umso netter je weiter von Paris entfernt) , gutes wenn auch nicht immer so preiswertes Essen wie in Bar-le-Duc, viel unberuehrte Natur besonders hinter Strassburg bis sagen wir vor Bar-le-Duc, was besonders dort bedeutete dass tw eine Infrastruktur, die ein Paneuropa Radweg verdient haette, gar nicht existiert. In der Champagne waeren wir fast verdurstet obwohl es in jedem Haus Champagner zukaufen gibt… Also: immer Proviant fuer den Tag bis Abends dabei haben, dann kann nix passieren. Und eine Besonderheit ist mir noch wichtig: Ab Halbzeit faehrt man bergab, egal in welche Richtung man den Radweg hinter sich bringt!
Letztlich: In der bisherigen Planung der offiziellen Route ist eine Durchfahrt von Nancy aus welchen Gruenden auch immer nicht vorgesehen. Ich halte dem entgegegen: Wer sich die Muehe macht, 630 km zu radeln und dabei den bemerkenswertesten Ort dieser Reise, den Place Stanislas in Nancy bei Nacht nicht erlebt, der hat etwas versaeumt. Und die noerdliche Strecke nach Toul an der Moselle entlang ist ebenfalls ein Highlight, auch wenn sie auf einer oeffentlichen Autostrasse erfolgt.

Was die Radwege angeht: Man ist am Arbeiten, und wo schon was gemacht wurde, ist es tres Chic geworden.
Jetzt muss nur noch wer eine Karte machen, damit man die Wege auch findet.

Merci bien und Danke an alle Leser, die sich diesen LAAANGEN Text angetan haben. Und falls es Sie juckt, die Strecke auch mal zu fahren und Fragen offen gebieben sind, will ich gern per email behilflich sein wenn ich kann! Und wenn Sie das ganze fuer IHRE Tour de France hilfreich fanden, schicken Sie mir auch ne kurze mail, ich freue mich darueber!

Praxiszeitung

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