Betriebsarzt Dr. Bieberbach & Kollegen GbR

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Haltet den Dieb!

In großer Aufmachung berichteten die Tageszeitungen Ende August von einem „riesigen Betrugsfall“ durch mehr als 13.000 Apotheken in Deutschland. Sie hätten ein Medikament mit der AOK abgerechnet, das noch gar nicht auf dem Markt sei. Ein paar Tage später – die Bevölkerung war inzwischen überzeugt, es wimmle im Gesundheitswesen nur so von Betrügern – war von Betrug nicht mehr die Rede aber von mangelnder Arzneisicherheit. Was war denn nun wirklich los?
Rückblick: Seit einigen Jahren verlangen die gesetzlichen Kassen von den Apotheken, billigere, wirkstoffgleiche Medikamente abzugeben. Viele Patienten leiden seither darunter, daß sie –obwohl wir immer dasselbe verschreiben- immer andere Tabletten von unterschiedlichen Firmen erhalten und dadurch oftmals verwirrt sind. Die Regelung heisst „aut idem“ und ist eine Erfindung der KASSEN.
Ergänzt wurde das System etwas später durch ein Rabattsystem, das so geheim ist dass weder Arzt noch Apotheker wissen was die Schachtel Pillen die wir  verschreiben und Ihnen der Apotheker gibt tatsächlich kostet. Hierzu gibt es Geheimverträge zwischen Kassen und Pharmaherstellern. Die sind auch der Grund, warum Sie als Kassenpatient nicht einfach dem Apotheker die Differenz zahlen dürfen, um das Medikament zu erhalten das SIE wollen.
Im Sommer ging das Feilschen in eine neue Runde, Kassen und Pharmazie einigten sich erst spät Ende Mai und suchten für den allgemein seit Jahren üblichen Wirkstoff Metoprolol ( ein ß-Blocker) einen Lieferanten aus, der dieses Mittel noch nie produziert hatte, aber seit 1.7. als Lieferant der AOK Niedersachen ausgesucht wurde.

Es musste Allen klar sein, dass es zum 1.7. dieses Präparat gar nicht lieferbar geben konnte. Also haben die Apotheker das gemacht, was Sie seit Jahren machen SOLLEN: den Austausch des Mittels („aut idem“)gegen ein bewährtes Metoprolol eines anderen Herstellers, der liefern konnte.
Darin ist nichts Anstößiges zu entdecken, jedenfalls nicht aus Sicht des Arztes und des Patienten. Irgendwas lief dann in der Abrechnung der Apotheken wegen falscher Pharmazentralnummern schief, da sollen Sich Fachleute drum kümmern. Fest steht aber: Wer sich ein solches fehlerhaftes System ausdenkt ( da sind AOK und Co. Im Obligo) darf sich nicht wundern, wenn es an der Peripherie in der Apotheke Fehler gibt.
Wenn jetzt die AOK von Problemen mit der Arzneisicherheit faselt will man nur von eigenen Unzulänglichkeiten ablenken: Zu spät verhandelt, falschen Lieferanten ausgesucht, allen Beteiligten unnötige Probleme und enormen Verwaltungsaufwand beschert. Was macht man in solcher Situation um von eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken? – Genau: Man ruft laut und vernehmlich „Haltet den Dieb!“.  –  Schäbig ist das!

Praxiszeitung

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